Die Geschichte der Johann-Hinrich-Wichern-Kirchengemeinde zu Lübeck

Die Johann-Hinrich-Wichern-Gemeinde liegt in Lübeck-Moisling. Das alte Dorf Moisling gehörte ursprünglich zum Kirchspiel Genin. Als Ende der 1950er Jahre in dem weitgehend ländlich geprägten Ort im Rahmen des sozialen Wohnungsbaus eine große Wohnsiedlung entstand, wurde zur kirchlichen Versorgung der Bevölkerung im Andersenring ein Gemeindezentrum mit Kirche, Gemeindehaus, Pastorat, Kindergarten und Küsterwohnung errichtet. Im Juni 1965 legte Bischof Heinrich Meyer den Grundstein für das Gemeindezentrum, und Weihnachten 1965 wurde im Gemeindehaus der erste Gottesdienst gefeiert. Die Johann-Hinrich-Wichern-Kirche wurde fast ein Jahr später am 23. Oktober 1966 geweiht.

Streng geometrischer Bau

Nach Plänen des Lübecker Architektenbüros Horenburg wurde die Kirche als ein streng geometrischer Bau mit Flachdach über einem quadratischen Grundriss in Beton erbaut. Grundlage der architektonischen Gliederung der Kirche ist die heilige Zahl Sieben, denn die Außenmauern bestehen aus sieben horizontalen und zweimal sieben vertikalen Fensterreihen.

Der Innenraum der Johann-Hinrich-Wichern-Kirche

Der Innenraum wird von der aus Ziegelsteinen gemauerten Altarwand dominiert, während Kanzel, Altar und Taufe aus Beton gefertigt sind. Der Bronzeschmuck – bestehend aus Altarkreuz, vier Altarleuchtern, Taufschale und Türdrücker – ist ein Werk der Hamburger Künstlerin Ursula Wallner-Querner. Der Fußboden aus Pflastersteinen suggeriert einen für jedermann offenen, einladenden Marktplatz.

Selbständigkeit der Gemeinde

Zum 1. Januar 1966 wurde die Johann-Hinrich-Wichern-Gemeinde selbständig. Sie erhielt ihren Namen von dem Begründer der Inneren Mission, dem sich die Gemeinde angesichts der Probleme, die sich aus der sozialen Struktur des Stadtteils ergeben, in besonderer Weise verpflichtet fühlt. So wurden wegen des großen Bedarfs im Dezember 1969 zwei Kindertagesstätten im Andersenring und im Ilsebillweg eingerichtet. Ein dritter Kindergarten befindet sich im Eulenspiegelweg. Bald schon stieg die Zahl der Gemeindeglieder auf 11.000 an, so dass 1967 im Moislinger Mühlenweg ein zweites Gemeindehaus errichtet wurde. 1991 – 1993 wurde das baufällig gewordene Gemeindehaus im Andersenring durch einen Neubau ersetzt. Überdies unterstützt die Kirchengemeinde mit vielen Aktivitäten und Kreisen die soziale und kulturelle Arbeit im Stadtteil Moisling.

Dieser Text ist ein verkürzter Auszug aus dem Bildband  „Salz der Erde – Licht der Welt – Evangelisch-Lutherische Kirche zwischen Trave und Elbe“ mit Texten von Dr. Claudia Tanck und Fotografien von Manfred Maronde. Das Buch ist 2016 im Hinstorff-Verlag in Rostock erschienen und kann zum Preis von € 29,99 in den Kirchenkreisverwaltungen in Lübeck und Ratzeburg sowie im örtlichen Buchhandel bezogen werden.

Außenansicht der Wichernkirche Lübeck - Copyright: Manfred Maronde
Außenansicht der Wichernkirche Lübeck